Kreislauf der Flucht

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Auf der Flucht vor den Menschen, der ganzen Welt und den Gefühlen, die sie verursachen könnten, schaffen wir uns ein eigenes Reich aus selbstverordneter Einsamkeit. Der Mensch ist ein soziales Wesen, braucht die Gesellschaft der anderen? Unsinn, wozu brauchen wir andere, wenn wir uns selbst genug sind!

Wir verlernen, uns Zeit für die Menschen zu nehmen, weil wir so sehr damit beschäftigt sind, Dinge zu tun, die uns nicht wirklich emotional berühren. Kein Tiefgang mehr, nichts darf die Stelle tief in unserem Inneren erreichen, den dunklen Ort, an dem die Sehnsucht nach Zuneigung schlummert. Es gelingt selten, sie zu töten - aber wir sind in der Lage, sie zumindest zeitweise in einen Dornröschenschlaf zu versetzen. Und lautstark verkünden wir jedem der daran zweifeln könnte, wie gut es uns geht, wie frei und unabhängig wir sind und dass es uns an nichts fehlt. Doch damit bewegen wir uns auf sehr dünnem Eis, denn:

Manchmal (und meist ohne jede Vorwarnung) erwacht diese Sehnsucht, nicht immer gewollt, aber dennoch schafft sie den Weg an die Oberfläche. Manchmal wird sie stark genug, um die Kontrolle über uns zu erlangen, und dann treibt sie uns an, wir machen uns auf den Weg an die Grenzen unseres einsamen Reiches. Dort angekommen strecken wir die Hände aus, in der Hoffnung, dass jemand sie ergreift und uns hinüberzieht in die Welt der Gefühle, der Zuneigung, des Vertrauens und der Wärme.

Hier schliesst sich der Kreis, denn wir müssen feststellen, dass die Menschen, die wir so gerne um uns gehabt hätten, nun ihrerseits keine Zeit für uns haben. Mit einem gezielten Schlag schicken wir die Sehnsucht zurück ins Nirwana - wer hat ihr erlaubt, sich einzumischen? Vielleicht bauen wir die Mauer an der Grenze unseres Reiches noch ein Stückchen höher, aber auf jeden Fall ziehen wir uns wieder zurück von den Menschen, der ganzen Welt und den Gefühlen, die sie verursachen könnten...
© P.S. (2002)

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